Vierundvierzigster Tag in der Normalzeit – Kommt das Ende der Zeitumstellung wirklich?

Wird in der EU wirklich schon bis April 2019 für jede Nation entschieden sein, mit welcher Zeitzone sie leben wollen? Und wird die Zeitumstellung dann wirklich abgeschafft?
Es scheint in Europa eher ersten Widerstand dagegen zu geben.
Es benötigt aus Sicht verschiedener Staaten mehr Zeit, um abzuwägen, welche Zeitzone die sinnvollste für das jeweilige Land wäre.
Griechenland wünscht sich sogar die Beibehaltung der Zeitumstellung.
Es scheint in der EU also noch Diskussionsbedarf zu geben.

Liest man die Präferenzen von führenden Politikern wie Herrn Altmeyer, der eine dauerhafte osteuropäische Zeitzone für unser mitteleuropäisches Land gut fände, dann beschleicht mich Sorge.
Tatsächlich würde ich es eher bevorzugen, die Zeitumstellung beizubehalten statt dauerhaft in der falschen Zeitzone am falschen Ort leben zu müssen.
Dann gäbe es wenigstens phasenweise die Möglichkeit für mich als privaten Normalzeitler im zeitlichen Gleichtakt mit meiner Gesellschaft zu leben, was z.B. bei Ladenöffnungszeiten sehr hilfreich ist.
Und natürlich ist es auch ein schöneres Gefühl, mit der Bevölkerung die gleiche Zeit zu haben.
Tatsache bleibt jedoch, daß die Zeitumstellerei mindestens ebenso belastend ist, wie das dauerhafte Leben in der falschen Zeitzone ohne den Ort zu wechseln.
Insbesondere Arbeitnehmer, die keine Wahl haben für ihre Arbeitszeiten und die an Präsenzzeiten gebunden sind, sollten eine Lösung erhalten, die ihnen die Gesundheit erhält.
Die Bundeszentrale für politsche Bildung beschäftigt sich auch mit der Flexibilisierung der Arbeitzeitmodelle in Deutschland.
Sie schreibt u.a. „dass Zeitsouveränität seitens der Beschäftigten auch im betrieblichen Interesse sein kann, wird von Arbeitgeberseite häufig unterschätzt. Mit flexibleren Arbeitszeitmodellen, die auch den Arbeitnehmern Optionsmöglichkeiten hinsichtlich der Dauer und der Lage der Arbeitszeit einräumen, können erhebliche Wettbewerbsvorteile und Produktivitätsgewinne erzielt und kann gleichzeitig den individuellen Interessen der Beschäftigten entsprochen werden.“
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Ich denke, im Rahmen der Diskussion um die Abschaffung der Zeitumstellung und der Entscheidung zur Festlegung der Zeitzone, die für die jeweilige Nation gelten soll, ergibt sich konsequenterweise auch eine Diskussion um flexiblere Arbeitszeitmodelle.
Für den Arbeitnehmer hängt beides unmittelbar zusammen.
Der eine Mensch will früher Feierabend haben, der andere will real nicht noch früher als eh schon aufstehen müssen.
Hier müssten die Lösungen gesucht werden.
Dann könnte ein Sommerzeit-Fan in der Normalzeit einfach etwas früher aufstehen und früher Feierabend machen, damit er länger Sonne hat im Sommer.
Aber deswegen muss nicht gleich die ganze Bevölkerung eine Stunde früher aufstehen.
Insbesondere Frühschicht-Arbeiter sind besonders betroffen davon, wenn sie die despair_geralt_pixabay_lizenz_cc0Uhr eine Stunde vorstellen müssen und noch früher hoch müssen, als eh schon.
Schiesslich besteht unsere Bevölkerung nicht nur aus Gleitzeitlern oder Selbständigen.
Und nicht überall ist vielleicht eine Flexibilisierung möglich, grad in der Produktion.
Hier sollte der Gesundheitschutz Vorrang haben und die Situation der Arbeitnehmer in der Frühschicht nicht noch verschärft werden durch das Leben nach der osteuropäischen Zeit in Deutschland.
Denn nichts anderes ist die songenannte „Sommerzeit“: das Leben nach der osteuropäischen Zeit in einem mitteleuropäischen Land.
Ich hoffe nur, diese Verrücktheit findet bald ein Ende und die Vernunft setzt sich wieder durch bei den Entscheidern.

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Dritter Tag in der Normalzeit

September, 07

Heute habe ich Termine mit Kunden gehabt.
Das klappte ganz gut mit den beiden Kalendern.
Zu oberst liegt das Kalenderblatt mit den Terminen in Normalzeit.
Direkt dahinter liegt das Kalenderblatt mit den Terminen in der sogenannten „Sommerzeit“ – so, wie ich sie mit den Teilnehmern verabredete. Es gibt keine Probleme damit.
Es ist einfach nur wichtig, konsequent in der Normalzeit zu leben, dann klappt es auch mit der pünktlichen Termineinhaltung.
Beispiel:
Termin nach „Sommerzeit“ von 10:00-12:00 Uhr.
Termin nach Normalzeit von 9:00-11:00 Uhr.
Anfahrt: 1 Stunde.
Also fahre ich um 8:00 Uhr los und bin um 9:00 Uhr da und der Termin beginnt pünktlich.
Wenn der Tag so geplant ist, dann gibt es gar kein Durcheinander.
Es ist nur wichtig, die Termine einmal im Vorwege in Normalzeit umzuplanen.african-american-3496261_by_rawpixel_pixabay_lizenz_cc0
Auch neue Terminabstimmungen klappen gut.
Ich verabrede die neuen Terminabstimmungen mit den Teilnehmern in „Sommerzeit“.
Ich trage sie ein in das Kalenderblatt für „Sommerzeit“.
Dann rechne ich eine Stunde weniger und trage die Termine noch mal für Normalzeit ein in das Kalenderblatt für die Normalzeit.
Was sich kompliziert anhört, ist in der Praxis ganz einfach und geht rasch.
Wer nie mit Terminen arbeitet, der ist von sowas nicht betroffen.
Wer Gleitzeit-Arbeitszeiten hat, kann sie entsprechend anpassen auf die Normalzeit.
Arbeitsbeginn in der „Sommerzeit“ um 9:00 Uhr.
Arbeitsbeginn in der Normalzeit um 8:00 Uhr.

office-258830_by_schneckenkaktus_pixabay_lizenz_cc0 Ich habe heute länger gearbeitet, ohne daß es mir auffiehl.
Es gab einiges zu erledigen, das ich rasch noch abschliessen wollte.
Auf dem Rückweg zum Feierabend war auf der Autobahn alles schön frei.
Mache ich Feierabend um 18:00 Uhr Normalzeit, ist es für alle Anderen schon 19:00 Uhr.
Die Hauptverkehszeit ist da schon eher am abklingen. Sehr vorteilhaft!

Den ganzen Tag über war ich entspannt.
Die Gesprächstermine waren zwar anstrengend gewesen, doch ich bin nicht so erledigt und auf innere Abwehr eingestellt wie sonst oft am Feierabend.
Das Gefühl, mich verkriechen zu wollen und mich unbedingt irgendwo geborgen erholen zu wollen, ist weg.
Es war in den letzten Monaten immer da, wenn ich zum Feierabend von Außenterminen nach Hause kam.
Oft hatte ich dann auch wenig Lust mir ein schönes Abendessen zuzubereiten und war rasch innerlich in Eile beim Essenmachen.
Diese innere Eile holte mich wie eine Angewohnheit heute abend auch ein, als das Essen brutzelte (ich esse warm) und ich den Tisch deckte.
Ich hielt inne. Was war los?
Ich schaute auf die Uhr und wurde nach und nach ruhiger und entspannter.
Schon beim Essen verflog die Eile sofort.
Doch ich merkte, am Abend heute kann ich die innere Unruhe nicht ganz ablegen.
Kein Wunder nach all den Monaten.
Dennoch bin ich heute nach der Arbeit vergleichsweise ruhig und entspannt, wesentlich mehr als die vergangenen Tage und Wochen.

In mir bildet sich jedoch die Frage, wieviel an Lebenszeit und Lebensqualität mir all die Jahrzehnte genommen wurde durch diese verrückte Zeitverdrehung.

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