Zeitumstellung auf Normalzeit

Bald ist es wieder soweit: wir stellen die Uhrzeit auf die Normalzeit zurück.
Der Zeiger an der Uhr wird in der Nacht vom kommenden Samstag auf Sonntag (24./25.10.2020) ein Stunde zurück gedreht.
Wer noch nicht dauerhaft in Normalzeit lebt, bekommt nun eine Stunde Lebenszeit zurück, die ihm/ihr im Frühjahr gestohlen wurde.

Endlich können viele von uns bald wieder im Hellen aufstehen:

Erstellt von Anja mit Storyboard

Und wer meint, die Sommerzeit sei doch so schön, weil die Sonne so lange scheint am Feierabend, der war oft genug bereit auch länger zu arbeiten und hatte am Ende nichts davon.

Erstellt von Anja mit Storyboard.

Wer den „langen“ Sommerabenden hinterher trauert, der sei daran erinnert, wie oft die Sommerzeitler gar nicht viel von der langen Helligkeit hatten, weil sie füher ins Bett mussten, um ausgeschlafen zu sein.

Zur Zeit leider nur auf Englisch. Mit freundlicher Genehmigung von gobettertimes.org – Danke!

Ich freue mich schon sehr darauf, wieder im Gleichtakt mit meiner Gesellschaft zu gehen.
Besonders im Frühjahr und Herbst merke ich immer wieder, wie sehr die Zeit der zu frühen Stunde die Menschen aus dem inneren Takt bringt.
Über zunehmende Gereiztheit der Sommerzeitler ab September und die Bereitschaft aus einer Mücke ganz schnell einen Riesen-Elefanten zu zaubern, habe ich schon oft hier im Blog geschrieben.
Auch die massive Unkonzentriertheit meiner Kollegen, die am nächsten Tag locker vergessen haben, was wir einen Tag zuvor noch intensiv besprochen hatten, nimmt ab September deutlich zu und im Oktober passiert es fast täglich – das fällt wohl nur uns Normalzeitlern besonders auf.
Umso mehr freue ich mich bald wieder entspannte und geistig gegenwärtige Menschen um mich zu haben.

von GORBACHEVSERGEYFOTO / 383 auf pixabay.com

Sommerzeit und der Umgang mit alternativen Fakten

Der September ist dieses Jahr für mich sehr schön!
Mit den kürzeren Tagen kommt die Gemütlichkeit, sich zu Hause einzukuscheln und die langen Abende zu geniessen.
Dann wieder scheint tagsüber die Sonne so schön, daß man noch mal gern Draußen oder im Grünen ist.
Übergangszeit.
Der frühere Abend bereitet uns auf den nahenden Herbst vor.

Leider geht es meinen Kollegen und Kolleginnen mehrheitlich wohl grad nicht so gut.
Bei vielen von ihnen und auch bei einigen Menschen im Freudeskreis beobachte ich seit Anfang September zunehmend Müdigkeit, Unkonzentriertheit und seit mehreren Tagen fällt mir zunehmende Gereizeitheit auf.
Das hatte ich schon letztes Jahr bemerkt.
Das ist nach meiner Erfahrung alles noch steigerungsfähig bis Ende Oktober.
Dann sind viele oft recht streitlustig.
Eine Lektion, die ich mir für dieses Jahr gemerkt habe.

Da ich es auf der Arbeit oft steuern kann, wann Arbeits-Treffen statt finden, versuche ich meine Termine möglichst normalzeit-kompatibel zu legen.
So starte ich gern um 9:00 Uhr Normalzeit, was umgerechnet in der MESZ (mitteleuropäische Sommerzeit) 10:00 Uhr bedeutet.
Oft habe ich es dann auch mit etwas ausgeschlafeneren Kollegen zu tun, da sie ihrerseits oft an dem Tag auch nicht früher anfangen zu arbeiten.
Bei Arbeits-Treffen die von anderen Kollegen geplant sind und bereits um 7:00 Uhr Normalzeit (= 8:00 Uhr MESZ) statt finden, habe ich lauter müde Gestalten am Tisch.
Selbst 8:00 Uhr Normalzeit (= 9:00 Uhr MESZ) schient für viele Kollegen inzwischen nicht mehr der rechte Arbeitsbeginn zu sein.
Im Grunde sind diese Stunden verschwendete Arbeitszeit, da andauernd wiederholt werden muss, verdeutlicht werden muss und Entscheidungsprozesse sich hinziehen.
Wenn Leute aus der Wirtschaft wirklich für dauerhafte MESZ sind, dann mal viel Spaß bei solchen müden Entscheidungsrunden mit unkonzentrierten Kollegen.
Und wie kritisch muss das erst sein bei sicherheitsrelevanten Arbeiten in der Technik oder in der Fabrik, wenn die Arbeiter unausgeschlafen und unkonzentriert sind…

Doch warum sind sie denn so unausgeschlafen und unkonzentriert?
Könnten doch früher zu Bett gehen.
Tun aber die wenigsten gern.
Wer glaubt, dass er um 8:00 Uhr MESZ anfängt zu arbeiten, beginnt in Wirklichkeit (in Bezug auf die Sonnenlicht-Zeit) schon um 7:00 Uhr Normalzeit.
Abends ist so Jemand müde, doch wird das oft nicht mit zu frühen Aufsteh-Zeiten in Verbindung gebracht, denn offiziell steht man ja in der MESZ anscheinend gar nicht zu früh auf.
Sage ich einem Kollegen aber, daß er real (in Bezug auf  die Sonnenlicht-Zeit) dieses Arbeitstreffen um
7:00 Uhr hat statt um 8:00 Uhr MESZ und erkläre ihm die Zusammenhänge, dann blitzt oft die Einsicht auf.
Gerade in den Übergangszeiten April-Mai und September-Oktober ist das für Viele ein hartes Brot in der MESZ-Verwirrung leben zu müssen.
Bereits im letzten Artikel habe ich beschrieben, wie verwirrend das ist, in der verkehrten Zeit zu leben.

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich bis zum letzten Jahr an mir und meiner Leistungsfähigkeit zweifelte, weil ich immerzu müde und erschöpft war ab Mitte August.sad-3187671_by_Snapit_pixabay_lizenz_cc0
Aber auch im April und Mai ging es mir oft nicht gut und ich war merkwürdig müde, statt fröhlich den Frühling zu geniessen.
Das nagt an einem und ich dachte, ich habe vielleicht eine Depression.
Oder ich würde eben älter und das Müde-sein gehört dazu.
Natürlich fragte ich mich auch, wie das erst werden soll, wenn ich wirklich alt bin und noch arbeiten muss.
Insgesamt war mein Selbstvertrauen auf dem Tiefpunkt.
Ich zweifelte an mir und brachte es in früheren Jahren nicht mit der verdrehten Zeit in Verbindung.

Was macht das mit Menschen, wenn sie sich hier selbst etwas vorgaukeln?
Viele sind oft erschöpft und müde oder unkonzentriert.
Nicht wenige werden krank.
Der Glaube an sich und die eigene Leistungsfähigkeit kriegt einen Knacks.
Und das Vertrauen in der Welt gut bestehen zu können lässt nach.
Dazu kommt die zunehmende Gereiztheit.

Kann ein Mensch sich an den „alternativen Fakt“ einer Art von Uhrzeit gewöhnen, die sich nicht an der Sonnenstand-Zeit orientiert aber dennoch deren Messinstrument, die Uhrzeit, verwendet?

Was macht es mit einem Menschen, der in der Mitte des Tages daran glauben soll, daß es bereits schon nach der Mitte des Tages ist – laut seiner „Sommerzeit“?

Wie geht es Menschen, die niemals eine feste Gewissheit entwickeln konnten im Hinblick auf die Zeit und den Sonnenstand und in eine Synchronizität zwischen Sonnenstand und Uhrzeit?
Die – ganz im Gegenteil – die Uhr-Zeit ganz unabhängig von dem Sonnenstand und physikalischer Grundlagen hin und her stellen?
Mal gilt die physikalische Zeit, dann wieder nicht.

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Durch die „Sommerzeit“ haben wir die Zeit abgekoppelt von physikalischer Sonnenstand-Zeit und sie zur reinen Strukturierung des Tages umgewidmet.
Diese Art der rein strukturgebenen Zeit ist etwas anderes als die Sonnenstand-Zeit.
Sie nutzt aber das selbe Mess-Instrument: die Uhr.

Und hier fängt die Verwirrung an.

Hierzu ein Ausschnitt aus Orwells „1984“ an den ich mich derzeit oft erinnere:
Wenn die Partei sagt, dass 2 + 2 = 5 ist, dann ist es so.
Es genügt auch nicht, es nur zu sagen und dabei zu lügen, man muss es wirklich glauben.
Wird behauptet, dass 2 + 2 = 5 ist und wenn die Menschen es glauben, dann ist es so.
Andererseits wird auch eingeräumt, dass es z. B. für wissenschaftliche Zwecke mitunter schon erforderlich sei, zu wissen, dass 2 + 2 = 4 ist.
Hier setzt dann das eigentliche Zwiedenken ein, da vom linientreuen Parteimitglied verlangt wird, zwischen „zwei Wahrheiten hin- und herzuschalten“ (in einem Moment 2 + 2 = 5, im nächsten 2 + 2 = 4), ohne sich dessen bewusst zu sein.
Eine objektive Wahrheit gibt es nicht mehr.
„Die Wirklichkeit spielt sich im Kopf ab. … Es gibt nichts, was wir nicht machen könnten. … Sie müssen sich von diesen dem neunzehnten Jahrhundert angehörenden Vorstellungen hinsichtlich der Naturgesetze freimachen.
Die Naturgesetze machen wir.“

2 + 2 = 5 ist keine Rechenaufgabe und kein mathematischer Trick, sondern eine Aussage, die in der Geschichte der Aufklärung eine wichtige Rolle spielte:
Wer bestimmt, was die Wahrheit ist?
Wer bestimmt, was Offiziell ist, wer hat die Macht über Fake News oder alternative Fakten?
(Zitat: https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman) )

Dieses konstante, subtile und bedrohliche Gefühl, daß etwas grundsätzlich nicht richtig ist – das ist weg seit ich dauerhaft in Normalzeit lebe.

 

Ein Jahr ohne „Sommerzeit“ !

Ein Jahr in Normalzeit ist nun um.

Ich lebe super entspannt und kann das Leben wieder richtig geniessen!!

Vor einem Jahr im September habe ich mich aus dem „Sommerzeit“-Wahnsinn verabschiedet.

Ständige Abgeschlagenheit, Gereizheit, innere Hektik hatten mir spätestens Ende August immer mehr zu gesetzt und im Oktober kroch ich sinngemäß nur noch auf dem Zahnfleisch umher und war regelmäßig in dem Monat krank.
Auch die Umstellung im April war stets Ursache für regelmäßige Erkrankungen in dem Monat.

Doch nun, nach einem Jahr Normalzeit, geht es mir wirklich sehr gut!
Und ganz besonders dieser September ist die reinste Wucht!
Es ist so toll endlich wieder die schönen Dämmerungsabende zu haben, wenn es wirklich Abend ist.
Da mache ich mir gern mal ein Lichtchen an und geniesse zum Abendbrot die rote Dämmerung, die ja nun wieder länger dauert.
Bereits gegen Ende August hat die Sonne langsam ihr Licht geändert und es wird wieder früher dunkler und morgens später hell.
Im Norden, wo ich wohne, fällt das besonders auf.

Seit jeher lebe ich mit dem Licht.
Bereits in meiner Kindheit brachte mein Vater mir bei, wie man sich an der Sonne orientieren kann, um entweder zu wissen, wie spät es ist oder falls man sich verlaufen hat, um wieder zurück zu finden.
Das ist mir so in Fleisch und Blut über gegangen, daß ich mich an die falsche Zeit von April bis Ende Oktober nie gewöhnen konnte.
Da ich in diesem Jahr nun ganz normal leben konnte, wurde mir sehr deutlich, wie stark mich mein im Grunde sehr gutes Gefühl für Raum und Zeit in Bezug auf die Sonne leitet.

Obwohl ich während der MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit) in Normalzeit lebe, habe ich zu meinem eigenen Erstaunen öfter keine Uhr benötigt im Alltag.
So wie früher, vor der MESZ.
Und ist doch mal ein Transfer in die MESZ notwendig, geht es auch ohne Uhr beim „umrechnen“.
Das ist allerdings nur möglich, wenn ich nicht arbeite und keine Arbeitstermine habe.african-american-3496261_by_rawpixel_pixabay_lizenz_cc0
Mit der Arbeit kann ich die Normalzeit auch gut vereinbaren.
Die Methoden, die ich mir letztes Jahr zu Hilfe nahm, nutze ich heute noch.
Sie haben sich bewährt.

Da mich unterwegs im Auto manchmal doch die vielen Straßenuhren verwirren und wieder hektisch werden lassen, habe ich nun eine analoge Miniuhr im Auto, die natürlich in Normalzeit läuft, und auf die ich dann gucke.
Dann bin ich sofort wieder orientiert.
Doch im Großen und Ganzen habe ich keine Probleme und würde immer wieder diese Entscheidung treffen.

Dennoch freue ich mich schon, wenn ich ab November endlich wieder mit meiner Gesellschaft im Gleichtakt leben darf und der Einzelhändler wieder normal von 8 – 18 Uhr öffnet statt von 7 – 17 Uhr.

Wenn ich auch in Normalzeit während er MESZ lebe, so muß ich mich doch anpassen.
Findet ein Arbeitstreffen um 8:00 Uhr MESZ statt, dann ist das in Normalzeit 7:00 Uhr und ich muss entsprechend früh den Wecker stellen und entsprechend am Vorabend schlafen gehen.
Der für ich so gesunde Unterschied besteht jedoch darin, daß ich weiß wie spät es wirklich ist (in Bezug auf die Sonnenlicht-Zeit) und ich wundere mich weder warum ich morgens so schwer in die Gänge komme, noch wundere ich mich, wenn ich abends früh müde werde.
Gaukle ich mir jedoch vor, der Termin begänne ja nicht real um 7 Uhr sondern um 8 Uhr, dann verwirrt mich das alles auf die Dauer, denn ich verliere ja völlig aus dem Blick, daß ich irre früh aufstehe für ein irre frühes Arbeitstreffen und dass es dann nur normal ist, wenn ich abends früher müde bin.
Und damit begänne all die hektische und ruhelose Lebensführung, wie sie in der sogenannten „Sommerzeit“ für viele üblich ist.

Das ist nun Schnee von gestern für mich.
Ich möchte jeden, der unter der sogenannten Sommerzeit leidet, raten es mit der Normalzeit zu versuchen.
Auch wenn man nicht durchgängig im Normalzeitrhythmus leben kann, man weiß dann wenigstens, dass die vorgedrehte Zeit zu sehr frühen Terminen führen kann, die einen abends früher ermüden lassen.
Das wahrt das Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit!

Ich hoffe, das wir bald wieder die gesundheitserhaltende Normalzeit dauerhaft in Deutschland haben.