Ist der Mensch das Zentrum der Zeit?

In früheren Jahrhunderten dachten die Menschen, daß die Erde das Zentrum des Weltalls sei.

Es galt die Auffassung, die Sonne drehe sich um die Erde, ebenso der Mond und alle anderen Sterne.

Der Mensch durchbricht das Himmelsgewölbe und erkennt die Sphären, Holzstich um 1530

Nur mühsam setzte sich die Erkenntnis duch, daß die Erde nicht das Zentrum des Weltall ist.
Der größte Verhinderer der Erkenntnisse von Entdeckern in der Seefahrt und von Wissenschaftlern wie Kepler war die Kirche.
Sie hatte die Deutungsmacht, die letztlich ihren hohen „Würdenträgern“ das enorme, wirtschaftliche Wohlergehen sicherte! Heute ist diese Macht der Kirche gebrochen und jedes Kind weiß hier, dass die Erde rund ist und sich um die Sonne dreht.

Auch weiß jedes Kind, dass sich das Leben auf der Erde nach der Sonne richtet.
Sowohl im Hinblick von Tag und Nacht als auch in Bezug auf die Jahreszeiten.
Schon im Biologie-Unterricht können Kinder durch Beobachtung von Blumen wie z.B. den Gänseblümchen auf der Wiese oder den Vögeln wie z.B. den Amseln lernen, dass sie mit dem Sonnenaufgang erwachen und erblühen bzw aktiv werden und mit Sonnenuntergang die Blüte schliessen bzw. schlafen.

Die Gezeiten von Ebbe und Flut richten sich nicht nach dem Sonnenlicht, sondern nach mechanischen Gesetzen.
Hier ziehen Sonne und Mond das Wasser an und die Fliehkräfte der Erdumdrehung tun das ihre dazu.
Die Pflanzen, Tiere und Menschen der Küstengebiete richten sich danach im Verbund mit Tag und Nacht.

So lief das über viele Jahrhunderte gut, die Menschen richteten sich nach diesen Naturgesetzen und konnten auf diese Weise auch manches im Voraus planen, um stets Nahrung und Vorräte zu haben.

Erfindungen wie Telegrafie und Eisenbahnen ermöglichten überregionalen Handel und Wissensaustausch sowie das Reisen und eine zeitnahe Post. Eine Vereinheitlichung von Abfahrts- und Ankunftszeiten von Eisenbahnen schien vielen Menschen von Nöten, um besser planen zu können und keinen Zug zu verpassen, der ihnen wichtig war.
So entstanden im Laufe die Zeitzonen von 15°, die sich im Mittel nach dem Sonnenstand im Zenit richten. Für viele Menschen galt damals lange noch die Ortszeit gemäß ihrem örtliche Sonnenstand parallel zur Zeitzone, denn Uhren waren noch teuer und entsprechend wenig verbreitet.
Die meisten Menschen orientierten sich lange noch nach dem Sonnenstand am Himmel.

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Im Zuge der Internationalisierung und Gobalisierung von Handel und Verkehr wurde es notwendig, die Vereinheitlichung von Zeit praktikabel zu machen.

International agierende Transporte nutzen heute UTC.
Die koordinierte Weltzeit nennt sich auf englisch Coordinated Universal Time mit der Abkürzung UTC, sie ist die heute gültige Weltzeit. Eingeführt wurde sie 1972.
Hiermit kann man unabängig planen und sich abstimmen.
Das ist hilfreich für weltweiten Handel, Verkehr und Kommunikation.

D.h. einfach ausgedrückt: egal in welcher Zeitzone ich mich selbst gerade befinde, kann ich mich mit UTC zu einer internationalen Konferenz via Internet rechtzeitig am Monitor einfinden oder Ankunftszeiten von Frachtern oder Überland-Transporten planen.
UTC dient als weltweit vereinheitlichte Zeitskala für Handel, Transport, Militär, Wissenschaft und Kommunikation.
Wer international viel agiert oder kommuniziert, lebt weiterhin in der Zeitzone des eigenen Aufenthaltes und ist mit UTC darüber orientiert, welche Zeitzone und Uhrzeit die Handels- und Kommunikations-Partner haben.

Im privaten Alltag schaue ich meist zuerst wo die Sonne am Himmel steht und weiß unter Berücksichtigung der Jahreszeit ungefähr wie spät es ist.
Schaue ich zur Uhr, kenne ich die Uhrzeit für die Region meiner Zeitzone (die seit 1972 international in UTC kommuniziert wird), die für die dort lebenden Menschen in der Regel die zeitliche Orientierung gibt.
Will ich mich in Deutschland mit einem Gesprächspartner aus Neuseeland zur Videokonferenz verabreden, mache ich dies mit Hilfe von UTC, indem ich die Stundendifferenz errechnen kann.
In all diesen Fällen macht die Vereinheitlichung von Uhrzeit einen Sinn, um sich zeitlich orientieren zu können.
Die Uhrzeit wird zu einem Parameter, der zu einer Verabredung oder Planung dient.

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Schon ab Einführung der Zeitzonen und der Standardzeit c.a. in der Mitte des 19.Jahrhunderts war die somit ermittelte Zeit meist nicht mehr genau jene, die dem örtlich Sonnenstand entsprach, sondern sie wich ab bis zu +/- einer halben Stunde. Schon hier trennte sich die Standartzeit von der Ortszeit.
Doch sie orientierte sich letztlich noch an dem Sonnenstand im Mittel von +/- 30 Minuten.
Das machte es den meisten Menschen schon damals möglich, sich damit zu arrangieren, auch wenn sie selbst oft noch keine Uhr hatten, nur eine Kirchturmuhr oder höchstens eine einzige in der guten Stube.

Nicht von ungefähr kommt es daher, daß die Verstellung der Uhrzeit um eine Stunde nach vorne seit ihrer Einführung 1980 in Deutschland zu vielen Protesten führte.
Da es damals noch kein Internet und soziale Medien gab, verhallte dieser Protest in den öffentlichen Medien rasch nach der Einführung wieder und ploppte höchstens mal zum Zeitpunkt der Umstellung auf.
Bis zu 90 Minuten Abweichung der Uhrzeit vom örtlichen Sonnenstand war für viele Menschen im Alltagserleben unangenehm und desorientierend.
Für nicht wenige ist es das auch heute noch.
Durch die Lebensumstände der reicheren Nationen in Europa gibt es hier inzwischen einen Lebensstil, der sich weitgehendst von der Natur und ihren Rhythmen verabschiedet hat und selbst in der Landwirtschaft wird versucht, die Natur möglichst zu „zähmen“ gemäß den Bedürfnissen globalisierter Handelsketten und deren Gewinnen.

Mit der Diskussion um die Neugestaltung von Zeitzonen und Standardzeiten in Europa – seit 2018 angestoßen durch eine unverbindliche Meinungsumfrage der Europäischen Kommission – zeigt sich, daß die großflächige Vereinheitlichung von Uhrzeit zu einem scheinbar unlösbaren Konflikt mit der regional auf 15° Grad begrenzten Zeitzone führt, die sich viele Bürger in der EU wünschen und die vor Jahrhunderten zu einer Akzeptanz einer vereinheitlichten Uhrzeit führte.
Da nicht jeder einzelne Bürger internationalen Handel und Transport oder täglich internationale Videokonferenzen hat, wirkt es lebensweltfremd, eine große vereinheitlichte Zeitzone offiziell einführen zu wollen jenseits von mittleren Sonnenständen der jeweiligen Regionen.

Die Diskussion um Zeitzonen und Standardtzeiten für größere Gebiete in Europa führten in der Öffentlichkeit jüngst zur Verbreitung der Annahme, der Mensch sei Bestimmer über die Zeit in seiner Region und somit sei eine Abstimmung über die eigenen Vorlieben für Tagesverläufe ein demokratischer Vorgang.
Von da an kam es über längere Zeit zu immer tieferen „Grabenkämpfen“ zwischen Befürwortern einer östlichen Zeitzone als dauerhafter Standartzeit (UTC+2) und den Befürwortern der mitteleuropäischen Standardzeit (UTC+1) in Deutschland.
Der zunehmenden Entzweiung wurde ein Ende gesetzt, indem diese Diskussion nicht mehr öffentlich geführt wird, sondern innerhalb des Europäischen Parlamentes bzw. in Ausschüssen.

Die Europäische Union ist historisch aus einer Handelsvereinigung europäischer Nationen entstanden.
Und noch heute hängt ihr diese Prägung an.
Man merkt es bei Themen wie Klima und Tierschutz vs. Handel, Landwirtschaft und Subventionen.
Oder eben auch beim Thema der Zeitzonen.
Denn ein Interesse an einer Vereinfachung von Zeitzonen in Europa hat wohl besonders der internationale Handel und das Transportwesen.
Allerdings nutzen die meisten dort ohnehin schon die koordinierte Weltzeit (UTC).
Ein weiterer Vorteil von späteren Sonnenuntergangs-Uhrzeiten haben Arbeitgeber, deren Arbeitnehmer eher bereit sind Überstunden zu leisten so lange es draußen noch schön hell ist.
Und Vorteile hat das Gaststättengewerbe in der Urlaubszeit, wenn die Menschen eine Stunde länger dort Geld ihr ausgeben.
Arbeitnehmer, die spätere Zeiten für Arbeitsbeginn und Arbeitsende haben, bevorzugen auch oft eine spätere Uhrzeit im Hinblick auf Sonnenuntergänge.
Alle anderen, so scheint es mir, finden in ihrer Lebenswelt keinen dringenden Bedarf für eine uhrzeitliche Verschiebung von Sonnenaufgangs- und -untergangszeiten um bis zu 90 Minuten in Deutschland.

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Immer mehr Wissenschaftler melden sich in der Öffentlichkeit zu Wort und liefern Erkenntnisse und Fakten dahingehend, daß eine Vorverlegung von Tagesrhythmen krank macht und sogenannten „Volkskrankheiten“ wie z.B. Depressionen oder Diabetes mellitus Typ II Vorschub leisten.
Hier im Blog wurde oft darüber berichtet und auch die Quellen sind aufgeführt.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn und Wirtschaftsminister Altmeyer haben sich positiv zur dauerhaften Vorstellung der Uhrzeit um eine Sunde geäußert.
Zur Begründung führten sie auch persönliche Vorlieben dafür auf.
Der Chronobiologe Professor Till Roenneberg der Uni München meinte hierzu vom „Tagesspiegel“ befragt:
„Das ist irre, Hedonismus pur. Das hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Das Vorgehen erinnert mich an die Politik von Trump. Das ist genauso, wie wenn man zum Thema Klimawandel sagt: ‚Ist doch schön, wenn wir wärmere Sommer haben.‘ Viele Politiker denken offenbar, es geht hier um Lifestyle. Es geht aber um die Gesundheit der Bevölkerung.“

Die Entscheidung, in welcher Zeitzone wir in Deutschland zukünftig dauerhaft leben sollen, steht noch aus. In 2020 muß innerhalb der EU und in Deutschland eine Entscheidung gefunden werden, da ab 2021 im März oder Oktober – je nach Nation – das letzte mal die Zeitumstellung stattfinden soll.

Ob auf die Wissenschaftler aus Medizin und Chronobiologie gehört wird im Europäischen Parlament und in Deutschland?

Oder glauben manche Entscheider in der europäischen und deutschen Politik, sie hätten die Deutungshoheit über die Zeit?

Die Diskussion um europäische Zeitzonen und Standardzeiten erinnert mich in ihrer Ignoranz von wissenschaftlichen Fakten bislang sehr an die mittelalterlichen Ereignisse und Motive zur hartnäckigen Verweigerung der Erkenntnis, daß die Erde sich um die Sonne dreht.

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Quellen:

Interview mit Chronobiologen Prof. Till Roenneberg zur dauerhaften Sommerzeit:

https://www.tagesspiegel.de/wissen/chronobiologe-zur-dauerhaften-sommerzeit-die-menschen-werden-spueren-dass-es-ihnen-nicht-gut-geht/24156316.html

Zeitzonen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitzone

Koordinierte Weltzeit (UTC):

https://de.wikipedia.org/wiki/Koordinierte_Weltzeit

Johannes Kepler:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Kepler

Weltraumforschung, Astronomie:

https://www.planet-wissen.de/technik/weltraumforschung/astronomie/index.html

Gezeiten:

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/planet-erde/ebbe-flut-gezeiten-102.html

Biorhythmus:

https://fachportal-gesundheit.de/biorhythmus/

Europäische Konsultation zur Sommerzeitverordnung:

https://ec.europa.eu/germany/news/20180831-konsultation-sommerzeit_de

Sommerzeit und der Umgang mit alternativen Fakten

Der September ist dieses Jahr für mich sehr schön!
Mit den kürzeren Tagen kommt die Gemütlichkeit, sich zu Hause einzukuscheln und die langen Abende zu geniessen.
Dann wieder scheint tagsüber die Sonne so schön, daß man noch mal gern Draußen oder im Grünen ist.
Übergangszeit.
Der frühere Abend bereitet uns auf den nahenden Herbst vor.

Leider geht es meinen Kollegen und Kolleginnen mehrheitlich wohl grad nicht so gut.
Bei vielen von ihnen und auch bei einigen Menschen im Freudeskreis beobachte ich seit Anfang September zunehmend Müdigkeit, Unkonzentriertheit und seit mehreren Tagen fällt mir zunehmende Gereizeitheit auf.
Das hatte ich schon letztes Jahr bemerkt.
Das ist nach meiner Erfahrung alles noch steigerungsfähig bis Ende Oktober.
Dann sind viele oft recht streitlustig.
Eine Lektion, die ich mir für dieses Jahr gemerkt habe.

Da ich es auf der Arbeit oft steuern kann, wann Arbeits-Treffen statt finden, versuche ich meine Termine möglichst normalzeit-kompatibel zu legen.
So starte ich gern um 9:00 Uhr Normalzeit, was umgerechnet in der MESZ (mitteleuropäische Sommerzeit) 10:00 Uhr bedeutet.
Oft habe ich es dann auch mit etwas ausgeschlafeneren Kollegen zu tun, da sie ihrerseits oft an dem Tag auch nicht früher anfangen zu arbeiten.
Bei Arbeits-Treffen die von anderen Kollegen geplant sind und bereits um 7:00 Uhr Normalzeit (= 8:00 Uhr MESZ) statt finden, habe ich lauter müde Gestalten am Tisch.
Selbst 8:00 Uhr Normalzeit (= 9:00 Uhr MESZ) schient für viele Kollegen inzwischen nicht mehr der rechte Arbeitsbeginn zu sein.
Im Grunde sind diese Stunden verschwendete Arbeitszeit, da andauernd wiederholt werden muss, verdeutlicht werden muss und Entscheidungsprozesse sich hinziehen.
Wenn Leute aus der Wirtschaft wirklich für dauerhafte MESZ sind, dann mal viel Spaß bei solchen müden Entscheidungsrunden mit unkonzentrierten Kollegen.
Und wie kritisch muss das erst sein bei sicherheitsrelevanten Arbeiten in der Technik oder in der Fabrik, wenn die Arbeiter unausgeschlafen und unkonzentriert sind…

Doch warum sind sie denn so unausgeschlafen und unkonzentriert?
Könnten doch früher zu Bett gehen.
Tun aber die wenigsten gern.
Wer glaubt, dass er um 8:00 Uhr MESZ anfängt zu arbeiten, beginnt in Wirklichkeit (in Bezug auf die Sonnenlicht-Zeit) schon um 7:00 Uhr Normalzeit.
Abends ist so Jemand müde, doch wird das oft nicht mit zu frühen Aufsteh-Zeiten in Verbindung gebracht, denn offiziell steht man ja in der MESZ anscheinend gar nicht zu früh auf.
Sage ich einem Kollegen aber, daß er real (in Bezug auf  die Sonnenlicht-Zeit) dieses Arbeitstreffen um
7:00 Uhr hat statt um 8:00 Uhr MESZ und erkläre ihm die Zusammenhänge, dann blitzt oft die Einsicht auf.
Gerade in den Übergangszeiten April-Mai und September-Oktober ist das für Viele ein hartes Brot in der MESZ-Verwirrung leben zu müssen.
Bereits im letzten Artikel habe ich beschrieben, wie verwirrend das ist, in der verkehrten Zeit zu leben.

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich bis zum letzten Jahr an mir und meiner Leistungsfähigkeit zweifelte, weil ich immerzu müde und erschöpft war ab Mitte August.sad-3187671_by_Snapit_pixabay_lizenz_cc0
Aber auch im April und Mai ging es mir oft nicht gut und ich war merkwürdig müde, statt fröhlich den Frühling zu geniessen.
Das nagt an einem und ich dachte, ich habe vielleicht eine Depression.
Oder ich würde eben älter und das Müde-sein gehört dazu.
Natürlich fragte ich mich auch, wie das erst werden soll, wenn ich wirklich alt bin und noch arbeiten muss.
Insgesamt war mein Selbstvertrauen auf dem Tiefpunkt.
Ich zweifelte an mir und brachte es in früheren Jahren nicht mit der verdrehten Zeit in Verbindung.

Was macht das mit Menschen, wenn sie sich hier selbst etwas vorgaukeln?
Viele sind oft erschöpft und müde oder unkonzentriert.
Nicht wenige werden krank.
Der Glaube an sich und die eigene Leistungsfähigkeit kriegt einen Knacks.
Und das Vertrauen in der Welt gut bestehen zu können lässt nach.
Dazu kommt die zunehmende Gereiztheit.

Kann ein Mensch sich an den „alternativen Fakt“ einer Art von Uhrzeit gewöhnen, die sich nicht an der Sonnenstand-Zeit orientiert aber dennoch deren Messinstrument, die Uhrzeit, verwendet?

Was macht es mit einem Menschen, der in der Mitte des Tages daran glauben soll, daß es bereits schon nach der Mitte des Tages ist – laut seiner „Sommerzeit“?

Wie geht es Menschen, die niemals eine feste Gewissheit entwickeln konnten im Hinblick auf die Zeit und den Sonnenstand und in eine Synchronizität zwischen Sonnenstand und Uhrzeit?
Die – ganz im Gegenteil – die Uhr-Zeit ganz unabhängig von dem Sonnenstand und physikalischer Grundlagen hin und her stellen?
Mal gilt die physikalische Zeit, dann wieder nicht.

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Durch die „Sommerzeit“ haben wir die Zeit abgekoppelt von physikalischer Sonnenstand-Zeit und sie zur reinen Strukturierung des Tages umgewidmet.
Diese Art der rein strukturgebenen Zeit ist etwas anderes als die Sonnenstand-Zeit.
Sie nutzt aber das selbe Mess-Instrument: die Uhr.

Und hier fängt die Verwirrung an.

Hierzu ein Ausschnitt aus Orwells „1984“ an den ich mich derzeit oft erinnere:
Wenn die Partei sagt, dass 2 + 2 = 5 ist, dann ist es so.
Es genügt auch nicht, es nur zu sagen und dabei zu lügen, man muss es wirklich glauben.
Wird behauptet, dass 2 + 2 = 5 ist und wenn die Menschen es glauben, dann ist es so.
Andererseits wird auch eingeräumt, dass es z. B. für wissenschaftliche Zwecke mitunter schon erforderlich sei, zu wissen, dass 2 + 2 = 4 ist.
Hier setzt dann das eigentliche Zwiedenken ein, da vom linientreuen Parteimitglied verlangt wird, zwischen „zwei Wahrheiten hin- und herzuschalten“ (in einem Moment 2 + 2 = 5, im nächsten 2 + 2 = 4), ohne sich dessen bewusst zu sein.
Eine objektive Wahrheit gibt es nicht mehr.
„Die Wirklichkeit spielt sich im Kopf ab. … Es gibt nichts, was wir nicht machen könnten. … Sie müssen sich von diesen dem neunzehnten Jahrhundert angehörenden Vorstellungen hinsichtlich der Naturgesetze freimachen.
Die Naturgesetze machen wir.“

2 + 2 = 5 ist keine Rechenaufgabe und kein mathematischer Trick, sondern eine Aussage, die in der Geschichte der Aufklärung eine wichtige Rolle spielte:
Wer bestimmt, was die Wahrheit ist?
Wer bestimmt, was Offiziell ist, wer hat die Macht über Fake News oder alternative Fakten?
(Zitat: https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman) )

Dieses konstante, subtile und bedrohliche Gefühl, daß etwas grundsätzlich nicht richtig ist – das ist weg seit ich dauerhaft in Normalzeit lebe.

 

Fünfundfünfzigster Tag in der Normalzeit – Normalzeit in Europa

28.Oktober

Endlich ist es wieder soweit: die Normalzeit in Deutschland!
Seit Einführung der Sommerzeit-Verordnung in Deutschland 1980 ist das Ende der MESZ immer der schönste Tag im Jahr für mich!
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Diesmal ist es ein wenig anders.
Ich hungerte nicht mehr auf dieses auf Datum hin wie sonst in all den Jahren zuvor auf Grund von großer Erschöpfung.
Denn inzwischen lebe ich bereits seit 55 Tagen in der Normalzeit mit so gutem körperlichen und seelischem Wohlbefinden wie schon ganz lange nicht mehr im Herbst.
Seit langem habe ich keine so schöne Herbstzeit mehr gehabt!
Der Spagat zwischen Normalzeit und die eine Stunde früher zu rechnen mit der sogenannten „Sommerzeit“ hat nun erfreulicherweise erstmal ein Ende.
Zum Glück lief das für mich besser als anfangs gedacht.
Dennoch bin ich nun schon froh mit meinen Mitbürgern die gleiche Zeit zu haben.
Und ich freue mich für alle meine Kollegen, die jetzt nicht mehr so todmüde aussehen müssen oder so häufig krank werden wie in den letzten Wochen…

Meinetwegen bräuchte niemand mehr an der Uhr drehen müssen.
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Die Diskussion über die Abschaffung der Sommerzeitverordnung in Europa sowie die Findung der passenden Zeitzone für die jeweilige Nation hält auf politischer Ebene derzeit noch an.
Bis zum 30.10.2018 tagen die EU-Verkehrsminister zum Thema Zeitumstellung.

Sollte die Zeitumstellung doch abgeschafft werden in der EU, dann bliebe noch die Frage der einzelnen Nationen zu beantworten, in welcher Zeitzone sie leben wollen.
In Deutschland gibt es hier bislang nur persönlich geäußerte Vorlieben von Ministern/Kanzlerin, die noch nicht als absolutes Statement gewertet werden können – auch wenn in vielen öffentlichen Medien dies so interpretiert wird.
Daran schliessen sich dann häufig allerlei Forendiskussionen an und es werden viele Online-Umfragen in der Argumentation bemüht.
Doch an Online-Umfragen nehmen die teil, die gern im Internet unterwegs sind.
Der Rest: alte Menschen, Kinder, z.T. behinderte Menschen, am Internet nicht interessierte Menschen u.a. werden hier nicht berücksichtigt.
Insofern sind Online-Umfragen nur ein Stimmungsbild von Internet-Nutzern, nicht aber von der gesamten deutschen Bevölkerung.

Der Zugzwang zur möglichst einheitlichen Zeitregelung zwischen den Nationen zeigte sich für die Schweiz 1981.
Die Schweizer hatten per Volksentscheid 1978 gegen die Einführung der Sommerzeitverordnung gestimmt.
Dennoch wurde sie ein paar Jahre später kurzerhand nach 40 minütiger Diskussion im Ständerat der Schweiz beschlossen.
Grund war der Beitritt der beiden Deutschlands zur Sommerzeitverordnung.
Somit war die Schweiz eine Art Normalzeit-Insel inmitten von Ländern die der Sommerzeitverordnung folgten.
Da war dann auch plötzlich der Volksentscheid hinfällig….

Wie könnte es in Europa aussehen?
Uns umgebende Nationen haben sich für die MEZ ausgesprochen: z.B. Frankreich, Niederlande, Dänemark.
Österreich hingegen findet die MESZ (eigentlich die osteuropäische Zeit OEZ) gut.

Wie es uns in der dauerhaften Normalzeit ergeht, wissen alle Menschen, die sie selbst erleben durften.
Damals gab es für viele nur die eine Zeit.
Niemand wäre auf die Idee gekommen, es könnte mehrere „Zeiten“ geben unter denen man wählen könnte wie an der Ladentheke.
Gibt es ja auch nicht wirklich.
Es gibt nur Zeitzonen: MEZ oder OEZ, die hier für uns debattiert werden.

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In Europa gab es bereits schon einmal ein Experiment mit dem, was wir in Deutschland „Sommerzeit“ nennen und das nichts anderes bedeutet als die Uhr um eine Stunde vorzustellen.
In Großbritannien blieb in der Zeit von März 1968 – Oktober 1971 die Uhr dauerhaft um eine Stunde vorgestellt.
1970 wurde dann beschlossen das Experiment zu beenden und die Zeitumstellung wieder einzuführen.
Der Grund waren erhöhte schwere Verkehrsunfälle in den Wintermonaten mit oft tödlichem Ausgang (und da gab es noch nicht so viel Verkehr wie heute).
Insbesondere in Schottland war es in manchen Orten noch um 10 Uhr morgens dunkel, auch die Schulkinder waren davon natürlich betroffen.
In Südengland hingegen schien es den einen oder anderen Vorteil zu geben, was jedoch nicht näher erläutert wurde.
Mit Rücksicht auf die negativen Ergebnisse des Experimentes, insbesondere auch aus dem nördlichen Schottland, wurde es beendet und die Zeitumstellung wieder in Großbritannien eingeführt.
Solle Großbritannien die EU verlassen, wollen sie die Zeitumstellung auch weiterhin beibehalten.

Schottland beginnt auf dem 56. nördlichen Breitengrad, –
Kiel und Flensburg liegen auf dem 54. nördlichen Breitengrad.https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3c/Grossbritannien_Topographie_Staedte.jpeg/402px-Grossbritannien_Topographie_Staedte.jpeg
Also nur 2 Grad unter Schottland.
Es ist auch nur eine Richtschnur zur Orientierung.
In den nördlichen Breiten wird es nicht nur später hell im Winter (Normalzeit), sondern durch die Erdkrümmung ist das Sonnenlicht nicht so „schnell und hell“ wie in südlicheren Breiten.
Deswegen wirkt der Winter schon in der Normalzeit oft dunkler als in südlicheren Gegenden Deutschlands.
Wäre in den nörlichen Breiten von Deutschland dauerhaft die Uhrzeit um eine Stunde vorgestellt, dann trifft es die Menschen in Schleswig-Holstein und angrenzende Gebiete besonders hart in der dunkleren Jahreszeit.

Es wäre schön, wenn die Politiker an die Norddeutschen und auch an alle gesundheitsgefährdeten Personen denken, wenn sie Ihre Entscheidung fällen für die OEZ (MESZ) oder für die gesundheitserhaltende MEZ.
Denn mit häufig kranken und von Unfällen gefährdeten Personen ist auf die Dauer kein Staat zu machen!

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Zwanzigster Tag in der Normalzeit

Tag- und Nachtgleiche  =  Äquinoktikum

Heute, am  23.09.2018, ist ab 2:54 MEZ der Herbstanfang.

Wir haben die Tag- und Nachtgleiche.

Man nennt es auch Äquinoktikum.

Das heißt, die Lichtdauer für Tag und Nacht ist an diesem Tag gleich lang.

Seit Jahrhunderten faszinierte dieses Phänoment viele Völker.

Im Herbst heißt es in naturverbundenen Völkern, sich auf den Winter vorzubereiten, Reserven anzulegen, das Feld für das nächste Jahr zu beackern.

Die Forscher der Babydiet-Studie fanden heraus, daß der Mensch und andere Lebenwesen genetisch auf den Wechsel der Jahreszeiten programmiert sind.

Es gibt nicht nur eine innere Uhr, die unsere täglichen Körperrhythmen steuert, sondern auch eine für die Jahreszeiten, insbesondere Winter und Sommer.

Die inneren Uhren sind genetisch bedingt und werden durch das Sonnenlicht getaktet.

Auch viele Fotografen nutzen das Äquinoktikum gern für schöne Aufnahmen von Sonne und Mond, die sich dann oft wie ein Geschwisterpaar am Himmel zeigen.

Wer wissen möchte, wann in den nächsten Jahren die Jahreszeiten beginnen, für den habe ich hier eine Jahreszeiten-Liste in MEZ 2018-2023:

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Zweiter Tag in der Normalzeit

September, 06

Heute morgen erwachte ich vom Lärm der Rolläden, als meine Nachbarn die hochzogen.

Ich hatte das Fenster vergessen zu schliessen.time-488112_640_by_ThePirxelmann_pixabay_lizenz_cc0

Nun war ich wach.

Ich blickte zur Uhr: 5:15 Uhr in der Frühe.

Nebenan wohnen Kinder.

Die Ärmsten müssen um 5:15 Uhr aufstehen, damit sie um 7:00 Uhr in der Schule sind.

Ich hätte als Kind echt gestreikt!

Da ich aber zum Glück erwachsen bin und in der Normalzeit lebe, konnte ich mich noch mal genüsslich umdrehen.

Um halb 7 Uhr war ich dann doch wach.

Ich hatte Hunger.

Das hatte ich schon ewig nicht mehr: morgens Hunger.

Schön!

Also stand ich auf.

So schnell bin ich schon lange nicht mehr aus dem Bett gekommen.

Da es mir so gut ging, machte ich gleich den Abwasch vom Vorabend.

Diese Vitalität habe ich morgens selten in den letzten Monaten gehabt.

Es scheint sich doch recht rasch etwas zu ändern.

Ich machte mich nach dem Frühstück an die Arbeit.

Zwischendrin gegen Mittag war ich mal müde und machte ein kleines Schläfchen.

Nicht lang.

Am Nachmittag sah ich meinen Nachbarn heim kommen.

Er sah echt aus wie jemand, der um 5:15 Uhr morgens aufgestanden ist…

Daran sieht man den ganzen Irr-Sinn mit dieser falschen Zeit 7 Monate lang.

Wenn sich jeder bewusst den Wecker so früh stellen müsste, dann gäbe es gewiss nicht so viele „Sommerzeit“-Fans.

Das Wetter ist heute sonnig mit ein paar Wolken.

Mir fällt auf, daß mich die Sonne und ihre Helligkeit nicht die Bohne mehr stört.

Das war die letzten Wochen ganz anders.

Da habe ich schon fast eine Aversion gegen die Sonne und die Helligkeit entwickelt – was mich ja auch alarmierte, daß grad etwas schlimm aus dem Ruder läuft.

Die Helligkeit des Tages hatte mich auf Schritt und Tritt belästigt, wie ein Gewicht, das einem am Hosenbein hängt.

Heute ist das nicht so.

Wenn durch die Normalzeit diese innere Anspannung und Gereiztheit der letzten Tage und Wochen aufhört, dann sind alle Umstände mit Kalendern und Uhren es wert!

Heute habe ich den ganzen Tag gute Laune gehabt und ständig irgendwelche Liedchen vor mich hin gesummt.

Und zur Kaffeezeit um 16:00 Uhr habe ich sogar eine Musik-CD gehört.

Hab ich auch sehr lange nicht gemacht.

Eigentlich höre ich Musik nur mal abends im Winter.

Vielleicht liegt es ja am Licht.

Das abnehmende Licht vor der Dämmerung läd ein zur Gemütlichkeit. Da es zwischen 16:00-18:00 Uhr ist, fällt es voll in meine Kaffeezeit am Feierabend.

Gerade diese Zeit ist für mich so wichtig.

Ich entspanne mich, lese etwas, höre Musik, bin kreativ – was mir grad so einfällt.
Es wird vor Tagesabschluß noch mal der Tag „verdaut“ bevor es Abend wird.

Im Tagesablauf in der „Sommerzeit“ wird mir dieser Teil des Tages genommen.

Es ist noch so hell, daß man glaubt etwas unternehmen zu müssen.

Und dann, wenn das Licht schön wird, ist es schon abends und es geht an´s Essenmachen und Abendvorbereitung, bevor dann auch schon bald Schlafenszeit ist.

Ich bin froh, diese Zeit der Besinnung am Nachmittag für mich wieder zurück zu haben und fühle mich beschenkt.

Irgendwann am Vormittag hatte ich gespürt, wie ich zeitlich einraste und jetzt korrekt verankert bin in meinem Tagesablauf.

Wie ein blockierter Wirbel, der nun entblockiert ist und wieder am richtigen Platz sitzt.