Achtzehner Tag in Normalzeit

Die letzten Tage waren sehr arbeitsreich und ich habe beschlossen, nach 14 Tagen bloggen, nun in größeren Abständen zu posten.
In den letzten 4 Tagen war ich viel in der Stadt unterwegs und hatte viele Termine.
Zum Feierabend ging’s dann noch zum Einkaufen oder ich habe mich mit Freunden getroffen.

Die Dauerkonfrontation mit den unterschiedlichen Zeiten ist weiterhin eine Übungssache.
Vor 3 Tagen habe ich meine Armbanduhr aktiviert.
Ich habe sie ehrlich gesagt noch nie getragen, da ich kein Uhren-Fan bin.
Die Uhr hat ein analoges Ziffernblatt, ist eher unauffällig und läuft in Normalzeit.
Sie hilft mir, mich gleich wieder zu entspannen, wenn ich zu oft auf die Straßenuhren oder Bürouhren geguckt habe und dieses subtile Anspannungsgefühl wieder hoch kriecht.
Da ich ansonsten alle Arbeitstermine in 2 Kalenderblättern führe, eines in MESZ und eines in Normalzeit, habe ich damit weiterhin keine Probleme und es läuft gut.
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Will ich nach Feierabend noch was einkaufen, dann kann es schon vorkommen, daß ich auf dem Heimweg bei meinem Einzelhändler reinschauen will und mir Zeit lasse, denn es ist ja erst 16:45 Uhr.
Stehe ich dann um 17:15 vor seiner Ladentür, ist die zu.
Er macht um 18:00 Uhr MESZ zu. Leider.
Und ich habe mich voll vertan mit den beiden Uhrzeiten…v Auch mit Freunden ist es mir schon passiert, daß wir uns zum Essen um 19:00 Uhr verabredet haben und ich aus ihrer Sicht erst um 20:00 Uhr da bin.
Ich habe mir nun zweierlei vorgenommen:

1. Ladenschließzeiten
Für mich heißt es nun: während der MESZ schließen aus meiner Sicht mein Einzelhändler und andere kleine Läden schon um 17 Uhr. Dafür öffnen sie aus meiner Sicht in der MESZ schon um 7:00 Uhr morgens.
Also: von 7:00-17:00 Uhr aus meiner Normalzeit-Sicht während der MESZ.
Kann man sich gut merken.

2. Verabredungen mit Freunden
Die Verabredungen mit Freunden trage ich nun mit ein in meinen Arbeitskalender mit den 2 Blättern für jeden MESZ-Monat.
Und obendrein in meine Kalenderapp in Normalzeit plus MESZ-Uhrzeit in Klammern gesetzt und mit Erinnerungsfunktion 2 Stunden früher.

Das mache ich seit Heute.
Und heute zumindest war ich pünktlich bei meinem Einzelhändler.
Zum Glück haben die großen Geschäfte teils wesentlich länger auf.
Da ist es egal, ob ich um 17:00 oder 18:00 oder 19:00 Uhr komme.
Sonst hätte ich wohl schon etwas Terminnot mit dem Einkaufen.

Nach wie vor lohnt sich all das weiterhin für mich.
Ich bin seit der privaten Normalzeit-Einführung entspannt, selbst wenn es mal streßig wird oder ich mal nicht so ausgeschlafen hab, weil ich so lange gelesen hab.

restaurant-690975_by-FreePhotos_pixabay_lizenz_cc0Letztens hatte ich ein Treffen mit ein paar Freunden.
Eine von ihnen arbeitet im Krankenhaus.
Sie erzählte, es sei ihr aufgefallen, daß enorm viele Menschen Diabetes haben und fragte sich woran das liegen könnte.
Sie sei der Meinung, früher habe es nicht so oft Diabetes gegeben.
Ich erzählte von dem Zusammenhang der MESZ-Einführung und dem Anstieg von Diabetes Mellitus-Typ-2 seit dem.
Der Partner einer Freundin meinte, das sei ja logisch, denn dann haben ja alle Menschen abends eine Stunde länger Zeit Chips zu essen.
Lustig war’s schon.
Ich habe das nicht weiter vertieft.v Er ist Akademiker, an tagesaktuellen Themen interessiert und hatte die Diskussionen um die Folgen der Zeitumstellung sicher mitverfolgt.
Da bislang nur 3 Menschen wissen, daß ich ein Normalzeit-Experiment mache, habe ich keine Lust gehabt, das Thema noch weiter zu verfolgen.
Denn diese Freunde habe ich bislang nicht eingeweiht und will es auch noch nicht tun.
Doch diese Szene war typisch dafür wie ich oft den Umgang mit den Folgen der Sommerzeit auf die Gesundheit der Menschen erlebe: es wird nicht ernst genommen, selbst von Menschen, die es besser wissen könnten, würden sie es wollen.
Es erinnert mich an den Widerstand der Raucher gegen das gesundheitliche Bedürfnis der Nicht-Raucher in Restaurants.
Im Grunde ist ein typisches Verhalten des Nicht-Ernst-Nehmens, wenn eine Minderheit gefühlt im Recht ist aber die Mehrheit gegenteilig handelt und handeln will.

Ich wollte schon schwarz sehen für meine Hoffnungen, daß sich in der Bevölkerung doch noch ein gesunder Menschenverstand durchsetzen könnte in Bezug auf Zeit und Ort und Sonnenstand.
Doch dann hatte ich heute eine schöne Begegnung.
Ich ging in ein Uhrengeschäft, da mein funkloser Schlafzimmer-Wecker so laut tickt und ich deswegen einen anderen brauche.
Neben mir war ein Kunde, der auch Wecker anschaute.
Ich bat die Verkäuferin um einen Wecker, der nicht tickt und kein Funk-Wecker ist.
Als sie mir ein Modell vorführte und dafür die Uhrzeit auf MESZ drehen wollte, sagte ich, das bräuchte sie nicht tun, ich bräuchte ihn für die normale Zeit.
Da outete sich der Kunde neben mir, er wolle aus genau dem gleichen Grund einen Wecker ohne Funk.
Ich war natürlich hocherfreut, denn ich fühle mich so exotisch mit meinem Normalzeit-Experiment, da ich keine Menschen persönlich kenne, die auch so leben.
Der Arzt, Herr Hilgers, ist mir zwar ein Vorbild und Ansporn bei meinem Normalzeit-Experiment, doch ich kenne ihn ja nicht persönlich.
Umso schöner nun diese zufällige Begegnung zu haben mit einem Normalzeit-Fan.
Daraufhin outete sich auch die Verkäuferin, daß sie hofft, dieses Hin-und-Her mit den Uhrzeiten höre ja nun bald auf und wir haben endlich „normale“ Uhrzeiten.

Damit spricht sie mir aus der Seele.
Und ich bin getröstet, nicht allein damit zu sein, und daß es doch noch Hoffnung gibt.

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Zehnter Tag in der Normalzeit

September, 13

Ein schöner Morgen, ich bin um 6:30 Uhr vor dem Frühstück ein wenig draußen gewesen zum Sonnenaufgang.
Sehr erfrischend und schön.
Ein guter Start auch in den Arbeitstag.

Die Arbeit ging gut von der Hand und ich genoß den Fensterplatz, wo ich schreibe und das helle Licht vor mir habe.
Der Arzt, Herr Hilgers, empfiehlt in seinen Tipps zum Leben in der Normalzeit, sich regelmäßig ins Tageslicht zu begeben für 10-15 Minuten, vorallem vormittags.
Wer kann, dem hilft zusätzlich ein kurzes Mittagsschläfchen.
Das ist natürlich schwer mit Arbeitszeiten vereinbar.
Deshalb bin ich froh um meinen Fensterplatz.
Die Blauanteile im Licht steuern die innere Uhr  und sind besonders in der Morgen- und Abenddämmerung wirksam. Hierbei ist besonders wichtig, daß die Farbwahrnehmung der Netzhaut unabhängig von der Helligkeit ist.

Blauanteil im Dämmerlicht justiert den Takt für innere Uhr
Blauanteil im Dämmerlicht justiert den Takt für innere Uhr


Das bedeutet, die Netzhaut kann auch an bewölkten Tagen wahrnehmen, wann Dämmerung ist.
Im Grunde ist das ein schlauer Trick der Natur, so daß sich die inneren Uhren einzelner Systeme und Organe im Körper immer justieren können an Hand  der Blauanteile im Licht.

natürliches Dämmerlicht und Bestrahlungsintensiviät
Natürliches Dämmerlicht und Bestrahlungsintensivät


Das der Blauanteil des Sonnenlichts unsere innere Uhr steuert, wusste ich bislang nicht.
Jedoch wird mir nun im Nachhinein klar, weshalb mir grad in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst ein normaler, dem Sonnenlicht angepasster Rhythmus so wichtig ist.
Und da ich diesen Rhythmus auf Grund der MESZ ab Ende März bis Ende Oktober gar nicht leben konnte in den vergangenen Jahrzehnten, war ich in der Zeit – und besonders in der Übergangszeit – deswegen sehr angestrengt, oft erschöpft und sogar arbeitsunfähig an manchen Tagen.
Ich bin mir damit so sicher, weil all diese Symptome ab November verschwinden.
So, wie sie auch jetzt verschwunden sind, nach Einführung meiner privaten Normalzeit.
people-2596150_by_StockSnap_pixabay_lizenz_cc0Heute nachmittag war eine gute Bekannte von mir da, die ich schon lange kenne.
Sie hat gleich die roten Zettel auf den MESZ-Uhren gesehen und gefragt, was das soll.
Ich habe ihr von meinem Normalzeit-Experiment erzählt.
Sie war überrascht und zugleich gab sie mir viel Zuspruch.
Weil wir uns schon so lange kennen, konnte sie gut beurteilen, daß mein Wohlbefinden in der MESZ zusehendst nachliess und spätestens ab Mitte August bis Anfang November mit mir nicht viel los war und das Leben einfach nur noch mühsam für mich war.
Sie betonte, daß ich heute viel, viel vitaler auf sie wirke, gar nicht so wie sonst in letzter Zeit.
Für sich selbst fand sie die Idee der privaten Normalzeit auch interessant.
Es erging ihr wohl ähnlich wie mir, als ich erfuhr, daß es Menschen gibt, die so leben.
Sie hat einen Partner und ein erwachsenes Kind, das noch bei ihr lebt.
Ihr Mann hat so frühe Arbeitszeiten, daß ihm ein veränderter Rhythmus zu Hause wohl gar nicht besonders stören würde.
Das Kind geht auch eher eigene Wege.
Nur zum Abend trifft sich die Familie und isst warm.
Doch selbst da würde es nur zu einer Verschiebung von c.a. 30 Minuten kommen.
Meine Bekannte fand die Vorstellung der zurück gewonnenen Stunde gut und würde es am liebsten machen.
Da ihre Arbeit auch auf Kunden-Terminen basiert, wäre ein doppeltes Kalendermodell für sie machbar.
Sie ist sich jedoch nicht sicher, ob sie Probleme mit der Familie bekommt.
Ich kann ihr Zögern gut verstehen.
Ich hatte ja auch gedacht, es wäre etwas ganz schweres nach Normalzeit zu leben, während alle anderen ihre Uhren eine Stunde früher die gestellt haben.
Mal schauen, wie sie sich entscheidet.
Bestimmt guckt sie erstmal, wie es mir damit geht.
Spätestens im Falle einer politischen Entscheidung für die verrückte MESZ als Dauerzeit würde sie vielleicht aktiver werden.
Denn sie sagt selbst, daß sie das Gefühl hat, den ganzen Tag der Zeit hinterher zu rennen, schon morgens, wenn sie eigentlich noch im Bett liegt….
Das kenne ich, und real tut man das ja auch, wenn man mit der MESZ lebt.

Ich freue mich, so eine tolle Zustimmung und Ermunterung erhalten zu haben von der ersten Person, die ich eingeweiht habe.

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Update:
2018-09-23
Blauanteile im Dämmerlicht mit ergänzenden Links und Bildern

Achter Tag in der Normalzeit

September, 11

So langsam bekomme ich Übung mit den parallelen Zeiten, wenn ich in der Stadt bin.
Aber es erfordert wirklich eine Art geistige Disziplin, sich zeitlich nicht so auf die Signale aus der sozialen Umgebung einzulassen.
Meine Mittagszeit heute war also um 14:00 Uhr – und da es in der Stadt immer irgendwo etwas zu essen gibt, fiel es nicht weiter auf.

Viel wichtiger ist und bleibt, daß ich ausgeschlafen bin morgens bzw. nachts auch wirklich müde bin, wenn ich ins Bett gehe.
Es geht nichts über einen erholsamen Schlaf!
Dann macht die Arbeit Freude, auch wenn’s mal stressig wird.
Und es bleibt genug Energie am Abend für schöne Beschäftigungen.

Meine innere, biologische Uhr hat ihre Melantoninausschüttung jetzt wieder zu den Zeiten, die passen.
Das ist gewiss.
Ich merke es ja an meiner nun wiedergewonnenen Vitalität den Tag über und den guten Schlaf nachts.
Aber es scheint nicht nur das Melantonin zu sein.
Mein Hunger morgens ist da und das Aufstehen fällt leichter.
Im Sommer bzw. in der sogenannten „Sommerzeit“ habe ich sonst morgens keinen Hunger.
Dafür im Winter.
Ich dachte immer, es läge daran, daß es kälter wird und der Körper wieder mehr Nahrung braucht.
Obwohl es im November oftmals noch gar nicht so kalt ist aber der Hunger morgens dennoch wieder kam.

Es gibt die Darstellung einer Art innerer Organ-Uhr, das heisst, daß die einzelnen Organe zu bestimmten Zeiten ihre Tätigkeit aufnehmen oder ruhen.
Der Arzt, Herr Hilgers, hat im Internet die Aktivzeiten der Organe über 24 Stunden dargestellt (am Ende des hier verlinkten Dokumentes).
So gesehen hat mein Magen jetzt tatsächlich „pünktlich“ seinen Hunger zwischen 7:00 bis 9:00 Uhr morgens.
Und es ist verständlich, daß er den um 5:00 Uhr oder 6:00 Uhr noch nicht hat, also dann, wenn ich eine Stunde früher aufstände.

Im Biorhythmus spielen verschiedene Rhythmen der Organe miteinander.
Ist ein Rhythmus aus dem Tritt, sind es automatisch die anderen auch.
Die harmonische Zusammenarbeit ist gestört.
Ich kann mir gut vorstellen, daß man dann krankheitsanfälliger wird oder weniger Widerstandskraft entwickelt – nicht nur gegen Infekte, sondern auch zur Bewältigung von Stress etc.

Meinen Feierabend verbrachte ich mit ein paar Kollegen im Cafe von 16:00-17:00 Uhr und fuhr dann gemütlich nach Hause.
Von ihnen weiß bislang niemand, daß ich nach der Normalzeit lebe, doch ich erfahre seit dem oft freundliche Worte von ihnen dahingehend, daß ich so gut drauf bin, gute Laune verbreite etc.
Mal sehen, vielleicht verrate ich ihnen irgendwann mein „Jungbrunnen“-Rezept: die Normalzeit.

Siebter Tag in der Normalzeit

September, 10

Heute bin ich viel in der Stadt unterwegs gewesen.
Kundenbesuche, Termine etc.
Nach wie vor klappt es gut mit den 2 Kalendern alle Termine pünktlich einzuhalten.
Morgens, als ich losfuhr war mein Zeitempfinden in Ordnung, ich war ausgeschlafen und ausgeruht, so wie man es sich wünscht.
Ich merkte jedoch in der Stadt, daß die soziale Zeit meiner Umgebung anders tickt als meine Normalzeit.
Sei es die Anzeige auf den Straßenuhren oder was die Menschen auf den Straßen tun, z.B Mittagessen-gehen oder zum Feiabend nach Hause gehen/fahren etc.
Es blieb mir im Grunde vorübergehend nichts anderes übrig, als doch für eine gewisse Weile in der falschen Zeit mitschwingen zu müssen, einfach weil die soziale Umgebung das vorgab und ich keine Scheuklappen tragen kann.
Subtil spürte ich die Anspannung wieder hochkriechen und versuchte es zu ignorieren.
Umso schöner ist dann zum Feierabend der Blick auf meine Normalzeit-Uhr!
Sofort kehrt wieder Entspannung ein und ich bin tatsächlich glücklich.
Mit sehr guter Laune bin ich nach Hause gefahren und habe einen gemütlichen Abend in aller Ruhe verbracht.
Und noch genug Zeit gehabt, um hier vor dem Schlafengehen zu bloggen.


Dritter Tag in der Normalzeit

September, 07

Heute habe ich Termine mit Kunden gehabt.
Das klappte ganz gut mit den beiden Kalendern.
Zu oberst liegt das Kalenderblatt mit den Terminen in Normalzeit.
Direkt dahinter liegt das Kalenderblatt mit den Terminen in der sogenannten „Sommerzeit“ – so, wie ich sie mit den Teilnehmern verabredete. Es gibt keine Probleme damit.
Es ist einfach nur wichtig, konsequent in der Normalzeit zu leben, dann klappt es auch mit der pünktlichen Termineinhaltung.
Beispiel:
Termin nach „Sommerzeit“ von 10:00-12:00 Uhr.
Termin nach Normalzeit von 9:00-11:00 Uhr.
Anfahrt: 1 Stunde.
Also fahre ich um 8:00 Uhr los und bin um 9:00 Uhr da und der Termin beginnt pünktlich.
Wenn der Tag so geplant ist, dann gibt es gar kein Durcheinander.
Es ist nur wichtig, die Termine einmal im Vorwege in Normalzeit umzuplanen.african-american-3496261_by_rawpixel_pixabay_lizenz_cc0
Auch neue Terminabstimmungen klappen gut.
Ich verabrede die neuen Terminabstimmungen mit den Teilnehmern in „Sommerzeit“.
Ich trage sie ein in das Kalenderblatt für „Sommerzeit“.
Dann rechne ich eine Stunde weniger und trage die Termine noch mal für Normalzeit ein in das Kalenderblatt für die Normalzeit.
Was sich kompliziert anhört, ist in der Praxis ganz einfach und geht rasch.
Wer nie mit Terminen arbeitet, der ist von sowas nicht betroffen.
Wer Gleitzeit-Arbeitszeiten hat, kann sie entsprechend anpassen auf die Normalzeit.
Arbeitsbeginn in der „Sommerzeit“ um 9:00 Uhr.
Arbeitsbeginn in der Normalzeit um 8:00 Uhr.

office-258830_by_schneckenkaktus_pixabay_lizenz_cc0 Ich habe heute länger gearbeitet, ohne daß es mir auffiehl.
Es gab einiges zu erledigen, das ich rasch noch abschliessen wollte.
Auf dem Rückweg zum Feierabend war auf der Autobahn alles schön frei.
Mache ich Feierabend um 18:00 Uhr Normalzeit, ist es für alle Anderen schon 19:00 Uhr.
Die Hauptverkehszeit ist da schon eher am abklingen. Sehr vorteilhaft!

Den ganzen Tag über war ich entspannt.
Die Gesprächstermine waren zwar anstrengend gewesen, doch ich bin nicht so erledigt und auf innere Abwehr eingestellt wie sonst oft am Feierabend.
Das Gefühl, mich verkriechen zu wollen und mich unbedingt irgendwo geborgen erholen zu wollen, ist weg.
Es war in den letzten Monaten immer da, wenn ich zum Feierabend von Außenterminen nach Hause kam.
Oft hatte ich dann auch wenig Lust mir ein schönes Abendessen zuzubereiten und war rasch innerlich in Eile beim Essenmachen.
Diese innere Eile holte mich wie eine Angewohnheit heute abend auch ein, als das Essen brutzelte (ich esse warm) und ich den Tisch deckte.
Ich hielt inne. Was war los?
Ich schaute auf die Uhr und wurde nach und nach ruhiger und entspannter.
Schon beim Essen verflog die Eile sofort.
Doch ich merkte, am Abend heute kann ich die innere Unruhe nicht ganz ablegen.
Kein Wunder nach all den Monaten.
Dennoch bin ich heute nach der Arbeit vergleichsweise ruhig und entspannt, wesentlich mehr als die vergangenen Tage und Wochen.

In mir bildet sich jedoch die Frage, wieviel an Lebenszeit und Lebensqualität mir all die Jahrzehnte genommen wurde durch diese verrückte Zeitverdrehung.

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Zweiter Tag in der Normalzeit

September, 06

Heute morgen erwachte ich vom Lärm der Rolläden, als meine Nachbarn die hochzogen.
Ich hatte das Fenster vergessen zu schliessen.time-488112_640_by_ThePirxelmann_pixabay_lizenz_cc0
Nun war ich wach.
Ich blickte zur Uhr: 5:15 Uhr in der Frühe.
Nebenan wohnen Kinder.
Die Ärmsten müssen um 5:15 Uhr aufstehen, damit sie um 7:00 Uhr in der Schule sind.
Ich hätte als Kind echt gestreikt!

Da ich aber zum Glück erwachsen bin und in der Normalzeit lebe, konnte ich mich noch mal genüsslich umdrehen.
Um halb 7 Uhr war ich dann doch wach.
Ich hatte Hunger.
Das hatte ich schon ewig nicht mehr: morgens Hunger.
Schön!
Also stand ich auf.
So schnell bin ich schon lange nicht mehr aus dem Bett gekommen.
Da es mir so gut ging, machte ich gleich den Abwasch vom Vorabend.
Diese Vitalität habe ich morgens selten in den letzten Monaten gehabt.
Es scheint sich doch recht rasch etwas zu ändern.

Ich machte mich nach dem Frühstück an die Arbeit.
Zwischendrin gegen Mittag war ich mal müde und machte ein kleines Schläfchen.
Nicht lang.

Am Nachmittag sah ich meinen Nachbarn heim kommen.
Er sah echt aus wie jemand, der um 5:15 Uhr morgens aufgestanden ist…
Daran sieht man den ganzen Irr-Sinn mit dieser falschen Zeit 7 Monate lang.
Wenn sich jeder bewusst den Wecker so früh stellen müsste, dann gäbe es gewiss nicht so viele „Sommerzeit“-Fans.

Das Wetter ist heute sonnig mit ein paar Wolken.
Mir fällt auf, daß mich die Sonne und ihre Helligkeit nicht die Bohne mehr stört.
Das war die letzten Wochen ganz anders.
Da habe ich schon fast eine Aversion gegen die Sonne und die Helligkeit entwickelt – was mich ja auch alarmierte, daß grad etwas schlimm aus dem Ruder läuft.
Die Helligkeit des Tages hatte mich auf Schritt und Tritt belästigt, wie ein Gewicht, das einem am Hosenbein hängt.
Heute ist das nicht so.

Wenn durch die Normalzeit diese innere Anspannung und Gereiztheit der letzten Tage und Wochen aufhört, dann sind alle Umstände mit Kalendern und Uhren es wert!
Heute habe ich den ganzen Tag gute Laune gehabt und ständig irgendwelche Liedchen vor mich hin gesummt.
Und zur Kaffeezeit um 16:00 Uhr habe ich sogar eine Musik-CD gehört.
Hab ich auch sehr lange nicht gemacht.
Eigentlich höre ich Musik nur mal abends im Winter.
Vielleicht liegt es ja am Licht.
Das abnehmende Licht vor der Dämmerung läd ein zur Gemütlichkeit. Da es zwischen 16:00-18:00 Uhr ist, fällt es voll in meine Kaffeezeit am Feierabend.
Gerade diese Zeit ist für mich so wichtig.
Ich entspanne mich, lese etwas, höre Musik, bin kreativ – was mir grad so einfällt. Es wird vor Tagesabschluß noch mal der Tag „verdaut“ bevor es Abend wird.
Im Tagesablauf in der „Sommerzeit“ wird mir dieser Teil des Tages genommen.
Es ist noch so hell, daß man glaubt etwas unternehmen zu müssen.
Und dann, wenn das Licht schön wird, ist es schon abends und es geht an´s Essenmachen und Abendvorbereitung, bevor dann auch schon bald Schlafenszeit ist.
Ich bin froh, diese Zeit der Besinnung am Nachmittag für mich wieder zurück zu haben und fühle mich beschenkt.

Irgendwann am Vormittag hatte ich gespürt, wie ich zeitlich einraste und jetzt korrekt verankert bin in meinem Tagesablauf.
Wie ein blockierter Wirbel, der nun entblockiert ist und wieder am richtigen Platz sitzt.


Erster Tag – Umstellung auf Normalzeit in der Sommerzeit

September, 05

Ausschnit aus confetti-3182653 by rawpixel on pixabay.com Lizenz: CC0Heute habe ich es getan! Ich habe die Normalzeit wieder in mein Leben eingeführt.

Eine privateNormalzeit einführen? Wozu?
Die Antwort findest Du in der Vorgeschichte

Am Abend habe ich 2 alte Wecker von mir aus dem Schrank gekramt, die keine Funk-Wecker sind.
Ich stellte sie um eine Stunde zurück auf die Normalzeit.
Einer steht jetzt im Schlafzimmer, der andere im Wohnzimmer.
Meine Küchenuhr ging ja immer schon auf Normalzeit.
Vorsichtshalber habe ich auch im Flur noch eine Uhr mit Normalzeit aufgestellt.time-2980690 by JESHOOIScom auf pixabay.com Lizenz: CC0 So dass ich gleich beim Nachhausekommen damit empfangen werde.
Die Funkwecker habe ich mit roten Klebezetteln beklebt und „SZ“ für „Sommerzeit“ darauf geschrieben, damit ich nicht durcheinander komme.
Einer steht vorsichtshalber im Schlafzimmer.
Der andere unter`m Fernseher.
Ob ich die Autouhr auch umstelle? Ich weiß es noch nicht. Wäre aber konsequent.
Und anders als konsequent geht es wohl nicht.

Meine Zeiten im PC, Handy & Co habe ich auch umgestellt.
Ich habe die Zeitzone vom Tschad gewählt, GMT+1.
Da ist immer Normalzeit.
Unsere Zeitzone ist GMT + 1 für die Mitteleuropäische Zeit (MEZ).
Im Sommer ist es GMT + 2 für die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ).

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Meinen Arbeits-Termin-Kalender habe ich für die Monate September und Oktober ein zweites mal angelegt.
Jetzt habe ich pro Monat 2 Blätter: ein Blatt in der Normalzeit und ein Blatt in der Sommerzeit.
Das Sommerzeit-Blatt ist sozusagen meine offizielle Arbeits-Zeit.
Das Normalzeit-Blatt liegt zu oberst.
Ich habe dort einen gelben Klebezettel mit “ +1 “ angebracht, damit ich nicht vergesse, eine Stunde hinzu zu rechnen, wenn ich weitere Termine verabrede.
Etwas umständlich ist es ja, die Termine alle um eine Stunde zurück zu schreiben.
Aber ich bin voll motiviert und denke, es lohnt sich.
Ich finde es lustig, daß ich nun in der Normalzeit viel früher Feierabend habe.
qualification-76737 by geralt on pixabay.com Lizenz: CC0Nun ist alles umgestellt und ich habe überall Normalzeit um mich herum.
Ich sitze und gucke auf die Uhr und denke: „JA! JA! JA!“
Schon jetzt beruhigt es mich, auf die Uhr zu gucken.
Eine Stunde mehr haben – das ist MEINE Zeit!